Imam Abu Dawud

Imam Abu Dawud (202-275 n.H.)*

Sulaiman bin Al-Asch’th al-Sidschistani – Imam Abu Dawud – ist
202 n.H. geboren.
Er hat Hadithe von Gelehrten in Mekka, Basra, Kufa, Harran,
Aleppo, Homs, Damaskus, Khurasan, Bagdad und Ägypten gehört.
Von ihm haben auch viele Gelehrte Hadith gehört – darunter auch
Imam Nasa’i.
Imam Abu Dawud wohnte in Basra, wo er sein Wissen verbreitete
und war oft in Bagdad. Er schrieb sein Buch „as-Sunan“ und zeigte
es seinem Lehrer Imam Ahmad bin Hanbal, der es als sehr gut
beurteilte. Als Abu Dawud einmal einige Gelehrten aufzählte, von
denen er keinen Hadith gehört hatte, sagte er anschließend: „Der
Hadith ist ein rizq (d.h. Versorgung von Allah wie auch die
Nahrung)“. Einmal sagte Abu Dawud: „Ich habe 500.000
(fünfhunderttausend) Hadithe aufgeschrieben, wobei sich (nur) 4800
davon in meinem Buch as-Sunan befinden. Dort habe ich die
authentischen (arab. sahih) Hadithe erwähnt, sowie solche, die
nahezu den sahih-Grad erreichen. Folgende vier Hadithe sind einem
jedoch (als Zusammenfassung der Sunna) ein Genüge:

1. „Wahrlich die Taten sind entsprechend die Absichten“**
2. „Ein Zeichen für den guten Iman ist es, dass man das lässt, was
einen nichts angeht.“
3. „Der Gläubige ist erst dann ein richtiger Gläubiger (arab.
mu’min), wenn er für seinen Bruder dasselbe wünscht, was er für
sich selbst wünscht.“
4. „Das Erlaubte ist klar, und das Verbotene ist klar,…“
…“
Natürlich deutet Imam Abu Dawud hier nur auf die Wichtigkeit
dieser vier Hadithe hin, denn man braucht natürlich viele andere
Hadithe neben dem Koran, um den Islam richtig leben zu können.
Manche Gelehrte meinten, dass Allah für Abu Dawud den Hadith
leicht gemacht hat, als er sein Buch „As-Sunan“ schrieb, so wie Er
für den Propheten Dawud (Friede sei mit ihm) das Eisen biegsam
gemacht hat.***

Al-Hafidh **** Musa bin Harun sagte: „Abu Dawud wurde im Diesseits
für den Hadith erschaffen, und im Jenseits für das Paradies“.
Al-Hafidh Abu Abdullah bin Mindah sagte: „Es waren vier
Personen*****
, die zwischen authentischen (arab. sahih) und schwachen
Hadithen unterscheiden konnten, und zwischen dem Falschen und
dem Richtigen, nämlich: Buchari, Muslim, Abu Dawud und Nasa’i.“
Adh-Dhahabi sagte: „Abu Dawud war nicht nur ein Imam in der
Hadithwissenschaft, sondern auch einer der großen Rechtsgelehrten
(arab. fuqaha‘), denn sein Buch ist ein Beweis dafür. Abu Dawud
war einer der besten Freunde von Imam Ahmad ibn Hanbal. Er
besuchte seinen Unterricht eine Zeit lang und fragte ihn nach den
schwierigsten Themen in den Spezialgebieten (arab. furu‘) und den
Grundlagen (arab. usul).“
Seine Herangehensweise bezüglich des Befolgens der Sunna und
des Unterlassens des Spekulierens über bestimmte Detailfragen (der
Aqida) war die der Salaf (d.h. der ersten rechtschaffenen
Generationen nach dem Propheten (s.a.s.)).
Ibn Dschabir, der Gefährte und Gefolgsmann (wörtl. Diener) von
Abu Dawud, berichtete: „Ich war in Bagdad mit Abu Dawud, als
nach dem Abendgebet der Thronfolger des Kalifen, Prinz Abu
Ahmad al-Muwaffaq, eintrat. Abu Dawud fragte ihn, was ihn um
die Zeit hierher führte. Er antwortete: „Drei Bitten“. Abu Dawud
sagte: „Was sind die?“ Der Prinz erwiderte: „Dass du nach Basra
umziehst, damit die Stadt wiederbelebt wird…denn Basra wurde fast
verlassen nach der Revolution der Schwarzafrikaner (arab.
zindsch).
******Abu Dawud sagte: „Das war die erste Bitte“, worauf der
der Prinz fortfuhr: „(Die zweite Bitte ist die,) dass meine Kinder
von dir das Buch „As-Sunan“ hören“. Abu Dawud sagte: „Das war
die zweite Bitte“. Der Amir fuhr fort: “ Und dass du für meine
Kinder einen extra Termin machst, denn die Kinder von den Kalifen
sitzen nicht zusammen mit dem gewöhnlichen Volk.“ Da sagte Abu
Dawud: „Diese Bitte kann ich leider nicht verwirklichen, denn vor
dem Wissen sind alle Menschen gleich.“…Die Kinder des
Thronfolgers kamen dann tatsächlich und nahmen mit allen anderen
zusammen am Unterricht teil.“
Abu Dawud starb am 16. Schawwal 275 n.H. Möge Allah(t) mit
ihm barmherzig sein.

*Aus Sijar a’lam an-nubala‘, Band 13, S.203ff.
** Ein sahih-Hadith, den Umar (r.) überliefert. Buchari und Muslim berichten ihn
auch.
***Vgl. Koran 21:79-80
**** Hafidh ist eine Bezeichnung für einen Hadithgelehrten, der eine sehr große
Anzahl von Hadithen auswendig kann (viele Tausende).
***** Die Aussage ist natürlich auf die damalige Zeit beschränkt
****** Aus dem DIdI-Skript „Islamische Geschichte – eine analytische Einführung“
von Samir Mourad, Absch. „Die Zusammensetzung der muslimischen
Gesellschaft unter wirtschaftlich-sozialem Aspekt“:
Die Armenrevolten der „Zitt“ und „Zindsch“ im Süd-Irak zeigen anschaulich,
wie die Dinge zusammenhingen. Damals war es so, dass diejenigen, die das
Land bewirtschafteten, den ganzen Tag im Schlamm Schwerstarbeit
verrichteten, um dann einen Dirham oder ein Brot für ihre Tagesarbeit vom
Bodeneigentümer zu bekommen. Schließlich explodierte diese
Ungerechtigkeit, die keinesfalls durch den Islam geduldet wird. Der folgende
jahrzehntelang andauernde Aufstand und das Chaos hatten weitreichende
Auswirkungen auf das damalige abbasidische Kalifat. Es kam zum Teil zu
Anarchie und Mord. Die eigentlichen Urheber der Morde, die von den
Aufständischen verübt wurden, waren aber die ungerechten Bodeneigentümer,
die die Arbeiter ausnutzten und quasi versklavten.

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